Gedanken zum Buß- und Bettag

Das Leben überdenken

Zwei Freunde von mir erzählen immer, dass sie gern “wohnen”. Das heißt, sie sitzen oder liegen auf der Couch und machen nichts. Das habe ich mehrmals versucht mit dem Ergebnis, dass es nichts für mich ist. Aber seit ich mit einigen persönlichen Problemen konfrontiert worden bin, kann ich auf meiner Couch liegen und den Gedanken nachsinnen: Über mein Leben nachdenken, was will ich, wohin will ich, was will ich noch erreichen, will ich so leben – wie ich es heute tue, was liegt zurück, was habe ich falsch gemacht…Wir brauchen miteinander diese Momente, in denen wir halt machen, wir uns besinnen. Dazu muss man nicht auf der Couch liegen. Mir hilft es, sonst stehe ich in der Gefahr, gleich etwas zu tun. 013_altar

Evangelischen Christen feiern morgen den Buß- und Bettag. Wir feiern ihn nicht, weil wir Christen so gern büßen, sondern weil wir uns besinnen wollen, um auch morgen gut leben zu können. Buße hat nichts mit “im Büßergewand auf den Knieen rutschen” zu tun. Buße heißt, über das eigene Leben nachzudenken, sich den eigenen Fehlern und Fehlentscheidungen zu stellen, seine Schuld zu sehen, falsche Wege zurückzugehen…, damit das Morgen anders aussehen kann. Wer heute Buße tut (in diesem Sinn), der muss morgen eben nicht “büßen”. Nicht nur unsere Kirche, sondern Gott selbst lädt uns ein, bei ihm zu “wohnen”, bei und vor ihm innezuhalten. Es gibt vieles, das in unserem Leben so verfahren ist, dass wir es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen: Unversöhnlichkeit, Abhängigkeiten, bestimmte Verhaltensweisen – an denen andere schwer zu tragen haben, gesellschaftlicher oder persönlicher Druck, wirtschaftliche Lage… Gott lädt mich zum Umdenken ein und manchmal kann es geschehen, dass ich auf die Knie gehe. Aber immer noch besser als “in die Knie gehen”. Gott lädt mich ein, mit barmherzigen Augen auf meine Fehler, meine Schwächen, meine verfahrenen Dinge… zu sehen. Dann kann er mir die Kraft zur Veränderung geben. Manchmal fängt es so an, dass wir zu einem zweiten gehen, um Hilfe zu suchen. Manchmal braucht es auch das erlösende Wort des anderen: “Im Namen Jesu dir ist deine Schuld vergeben” oder: “Ich vergebe dir”. In diesem Sinn einen gesegneten Buß- und Bettag.

Claudia K.